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Mohamed Rabie--- Das Jahr des Drachen

Der Autor:
Mohamed Rabie ist ein junger ägyptischer Autor, geboren 1978, den die ägyptische Journalistin und Romanautorin Mansura Eseddin einen der vielversprechendsten jungen Romanschriftsteller in Ägypten nennt.
In seinem ersten in Ägypten schon vielbeachteten Roman, Kaukab ?Anbar („Amber-Planet“), erschienen 2010, schildert er einen Journalisten, der einen Bericht über eine in Vergessenheit geratene Bibliothek abfasst, die dem Metro-Bau im Wege steht und deshalb abgerissen werden soll. Bei seinen Besuchen in der Bibliothek entdeckt der Journalist zahlreiche „Geheimnisse“ aus der Geschichte der Bibliothek.
In seinem Anfang 2015 erschienenen dritten Roman, ?U??rid („Merkur“ [Planet]; verwendet als Eigenname einer Person) geht es um einen Spagat zwischen der allerjüngsten Vergangenheit (2011) und der nicht allzu fernen Zukunft (2025) in Ägypten. Erzählt wird die Geschichte, oder besser: Geschichten von den zerstörerischen Folgen der „Revolution“: ein in Ost und West geteiltes Kairo und die Erfahrungen verschiedener Personen, die alle „Verwundungen“ davongetragen haben.

Das Buch:
„Das Jahr des Drachen“ (ca. 280 S.) ist einer der immer wieder gesuchten Romane über den Arabischen Frühling, eine literarische Interpretation, eine Deutung und Umdeutung der Ereignisse, die zu den Aufständen in Ägypten führten ist ein wundervolles Gemisch aus Phantasie und Wirklichkeit, aus Bosheit und Ernsthaftigkeit, aus bitterem Spott und vielleicht auch einem Hauch von Traurigkeit. Grimmige Farce und komödienhafte Ironie wechseln sich ab. Es ist ein Roman über das Verhältnis zwischen Regent und Untertanen während der dreissigjährigen Mubarak-Herrschaft. Es geht also um Mubarak, aber nicht um ihn als Person, sondern um ihn als Modell, an dem das Verhältnis der Ägypter zum Polizeistaat zu allen Zeiten gezeigt wird. Es ist ein Roman, der „Ägypten auf den Seziertisch“ legt, wie es in einer Rezension heisst, ein Roman, in dem der Pharao ebenso angeprangert wird, wie diejenigen, die ihm zujubeln. Dabei wird es aber nie „politisch“ lehrhaft, nie „ideologisch“, worauf arabische Rezensenten nachdrücklich hinweisen.
Zwei verschiedene Erzählstränge ziehen sich durch den Roman:

  1. Die Geschichte Naîms in Episoden, die ein Leben ergeben – eine typisch vormoderne Methode. Naîm ist der einfache Ägypter, Buchbinder von Beruf, der immer weniger aus und ein weiss, weshalb er (damit beginnt der Roman) seinen Tod plus Beerdigung inszeniert – eine echte Burleske zum Einstieg: Er will die Regierung glauben machen, dass er tot ist, dass es ihn nicht mehr gibt. Nicht Betrug sei das, sondern lediglich der Transfer seines Namens von einem Dokument auf ein anderes, ist er überzeugt. Danach wird er immer weiter in seinem Leben als „Kämpfer“ gegen die Bürokratie und andere Hemmnisse gezeigt.
  2. Diesem Strang parallel läuft ein zweiter: Briefe von einem mysteriösen Autor an einen mysteriösen Adressaten namens Sâlich, der offenbar zur Entourage des Präsidenten gehört. Diese Briefe sind moderne Parodien auf das uralte mittelöstliche Genre der „Fürstenspiegel-Literatur“, d.h. Sammlungen von Ratschlägen an den Fürsten, wie er am sinnvollsten mit den Untertanen umgeht. Ratschläge, die aber hier voller Absurditäten sind. Ausserdem erreichen sie den Präsidenten nicht. Sâlich gibt sie nicht, wie von ihm erwartet, weiter. Möglich, dass diese Briefe vom Buchbinder Naîm verfasst wurden.

Das Ganze mündet am Ende in den Tachrîr-Platz, jenes inzwischen weltberühmt gewordene Zentrum der anti-Mubarak’schen Volksbewegung. Hier jedoch wird am Ende der Präsident, der eigentlich für alles Elend verantwortlich ist, von der tobenden Menge zum Pharao, zum „Gottkönig“ hochgejubelt und für das Jahr des Drachen, das nach chinesischer Jahreszählung im Januar 2012 beginnt, inthronisiert.
Das Buch wurde, nach Aussage des Autors, zu 80% vor dem Ausbruch der Revolte geschrieben und nach ihrem Ausbruch abgeschlossen.
Es ist bemerkenswert, wie hier ein junger ägyptischer Autor locker und gekonnt traditionelle Stilmuster einsetzt. Mohamed Rabie ist ausgesprochen belesen, nicht nur in der „Weltliteratur“, also der meist westlichen, sondern auch in derjenigen seiner eigenen Kultur, der neuen wie auch besonders der alten. Auf dieser literarischen Basis nimmt er erbarmungslos „sein“ Land und die Haltung der herrschenden und der beherrschten Bewohner auseinander.

Leseprobe (PDF)

 

 
 
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